NATUR? NATUR!


LANDSCHAFTEN EINFANGEN – EIN WEITES FELD?


“Jede Landschaft ist ein Zustand des Geistes". Henri-Frédéric Amiel, 1821-1881, Schweiz


Diese Frage führt doch sehr ins Beliebige. Ich muss sie deshalb verneinen. Obwohl Landschaftsfotografie eng an einen Begriff gekoppelt ist, der sie geradezu ins Weite fahren lässt: Natur! Na gut: Nur Natur muss es sein! (lat.: natura, von nasci „entstehen geboren werden“) Dann ist auch möglich, Landnatur, Stadtnatur, Meeresnatur, Architektur(natur) zu den belebten oder unbelebten Kulturlandschaften zu zählen. Und vom Still (Stilleben) hat die Landschaftsfotografie auch reichlich Darbietungsfunktionen bekommen und vielleicht die so faszinierende, menschlich berührende Ästhetik. Denn ebenso, wie in der Porträtfotografie, muss der Fotograf Geduld und Empathie, Lebenserfahrung und den „sezierenden“ Blick mitbringen, um Wesentliches im Motiv zu entdecken. Bleiben wir beim Konsens „es ist entstanden, geboren worden, natürlich oder menschlich erschaffen worden ...“ um "Natur" einzufangen in den vielfältigsten Landschaften unseres Lebens? Danke, dass Sie mir bis hierher folgten ... Landschaft bemächtigt sich meiner. Dann erst kann ich mich mit der Landschaft fotografisch befassen, so lautet mein Leitspruch beim Fotografieren. Ob „berührte“ oder „unberührte“ Natur (wer mag heute noch Orte finden, bei denen diese Trennung gelingt?): Berühren muss mich die Landschaft allemal. Und das vom ersten Moment an ... Zunächst muss "es" erst mal passieren oder der Blick wendet sich ab und, günstigstenfalls, gen Himmel. Dann wirkt „es“, und es tritt  die Ruhe ein, die den Herzschlag verlangsamt und den Puls ruhiger werden lässt. Die Pupillen weiten und schließen sich, demnächst die Lider, und die Füße spüren langsam den Standort unter sich. Fotoapparat und das Stativ stehen in respektabler Entfernung als hätten sie nichts mit dem meditativen Landschaftssog zu tun, der sich gerade zwischen meinem Außen und meinem Innen abspielt. Eine unschuldige Kontemplation kommt auf ... bis der nächste Vogelton oder der Windzug von links oder die große Cumuluswolke von rechts die tausend Minimalismen der eben gesehenen faszinierenden Bildfläche vor mir leicht verschieben. Aha! So kann das Motiv auch aussehen ... Viel, viel später... Und ganz anders ist die Welt in der digitalen Studierstube und Dunkelkammer. Die Landschaft überzieht den Monitor, manchmal kenne ich sie, manchmal auch nicht oder nicht mehr. Die Natur darin, ach Naturschutz! Das hat in der Regel zweierlei Folgen für mich: Ich lasse sie raus, begeistert, entzückt und fasziniert, damit sie alle sehen können. Ich fasse sie mit digitalen "Tools", Filter, Düsen, Scheren, Pinsel , Pinzetten ... so gut wie nicht an. V-Effekte á la Bertolt Brecht sind nicht erforderlich. Natur bleibt Natur und Landschaft schafft Land, man muss sie nur lassen ...


ALL PHOTOS © BY LEÓN WOLFGANG SCHOENAU

Please contact the photographer before using an image for any reason. Find contact info on the photographer's profile page.


JUNGBAUERN IN BRANDENBURG ODER MUT TUT GUT!


Welche jungen Menschen, fachlich gut ausgebildet, mit innerem Verhältnis zu Tieren und Scholle, wagen es noch, sich aufs Land zu begeben, um dort ihre Existenz zu begründen? Dort Fuß zu fassen. Felder und Vieh einzukaufen. Dem garantierten 18 Stundentag ins Auge zu sehen. Schlaflos die letzten Bilanzen des Bauernhofs durchzugehen ... ?? Die Wenigen, die es TROTZDEM tun, leben, beispielsweise, im weitläufigen Brandenburg südlich von Anklam, schon fast wieder in Polen, denn die Oder ist nur einen Steinwurf entfernt. Hier dehnen sie sich aus, die Horizonte, hier ziehen saftig-grüne Wiesen in den Oderniederungen die Blicke von Mensch und Vieh auf sich. Hier steht auch die Herde, stolze Rinder, genauer Kühe, genauer: gut ausgewählte, teilweise alte bodenständige Rassen und ein paar Exoten, alle namentlich notiert und auch so beständig gerufen. Sie machen sich überwiegend folgsam und bereitwillig auf den Weg, wenn ihr Name erklingt. Traben zum Melkstand, dem transportablen, mitten in der Oder-Welt. Darüber der Himmel, so blau, so wolkenverziert, wie es keinen anderen sonst weit und breit gibt. Der Maiwind, ziemlich unterkühlt, bläst regelrecht steif übers Wiesengras. Besuchsmenschen kuscheln sich ins Innere ihrer wattierten Jacken. Milchkühe dagegen tragen ´s mit Geduld. Im Hintergrund, im Gitter-Separé, spielen die Kälbchen mit den Stamm-Müttern. Oder sind es schon die Ammen, die, menschenähnlich, ab einem bestimmten Zeitpunkt die Pflege der Originalkuhmutter übernehmen, damit die Kuhmütter mit viel Milch dem Bauern weiterhin auch viel Milch geben, auf dass er seinen Hof auch weiterhin finanzieren kann? Für den blassen Städter ist solch ökologisch fundierte Land- und Viehwirtschaft etwas Glorioses. Man sieht, dass es den Tieren gut geht. Was denn sonst? Für die Öko-Jungbäuerinnen und -bauern eine erste oder zweite berufliche Bewährungsprobe ihrer biografischen Stationen:  "Schaffen wir das?" Rechts und links in der dazu ungebrochen kapitalistisch geführten Großflächen-Landwirtschaftspolitik im Land Brandenburg ist nicht viel landwirtschaftsökologisch Förderndes zu vernehmen. Papier ist auch hier geduldig. Wer kein Kapital hat, hat langfristig keine Chance - Basta! Von ökologischen Start-Ups der Landwirtschaft ist deshalb auch hier offensichtlich nicht viel die Rede. Von Förderkapital hört man ebenfalls nur Minimales. Die bäuerlich nutzbaren Flächen, Basis auch jedes ökologisch orientierten bäuerlichen Idealismusschaffens zupackender, gut ausgebildeter Leute, Frauen wie Männer, sind rar. Geld regiert auch hier die Welt. Wo leben wir denn? Der demokratisch erzogene und partizipativ empfindende Städter reibt sich beim gerade stattfindenden Landausflug und den zum Thema ausgetauschten Informationen mehrfach die Augen. Wie kann das alles sein? Warum sind die Unterstützungsprogramme nicht konkreter greifbar und gründergerecht problemloser nutzbar? Warum ist Bauernland nach wie vor eine erstrangige Handelsmasse, und noch, wie zu Zeiten von Karl Marx, Sache der Großgrundbesitzer? Der Besucher aus der nahen Hauptstadt empfindet hohe Achtung vor den hier schuftenden Jungbauern, die dennoch einen Optimismus und eine Kraft ausstrahlen, dass er die brandenburgischen Feld- und Wiesenweiten mit einer zärtlichen Gewissheit für die dort arbeitenden Menschen verlässt: "Gewiss, ihr werdet es schon schaffen ..."

Text und Fotos © León Wolfgang Schönau


BRANDENBURGISCHE EINSAMKEITEN/ PROJEKT 50


All photos © by León W. Schoenau


NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 49 | AUS DER SERIE "RÜGEN RUFT!"/2



PROJEKT 23/11 "LANDSCHAFT ALS PARK - PARK ALS LANDSCHAFT" | BEISPIEL BERLIN-GLIENICKE


ALL PHOTOS © BY LEÓN W SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 34/ "MALLORCA - TIEMPO DE INVIERNO"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 356 | AUS DER SERIE "MEIN BRANDENBURG"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 48 | AUS DER SERIE "RÜGEN RUFT!"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 59 | AUS DER SERIE "HIDDENSEE IM WINTER"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 68 | AUS DER SERIE "RECHTS UND LINKS DER ODER"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU

NATUR LANDSCHAFT PROJEKT 124/ AUS DER SERIE: MEIN KANARISCHER GARTEN | MI JARDÍN CANARIO | MY CANARIAN GARDEN


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU
ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU

FOTOPROJEKT NATUR 234/09 "TULIPAN"


ALL PHOTOS © BY LEÓN W. SCHOENAU