CTD ARCHIV/1 "SCHNAPPSCHUSS DER WOCHE"


AUS DEM JAHR 2013 ...


Bern ist da, wo die Bären Fahrrad fahren. Auf der Oberleitung natürlich. Denn "Unterleitung" wäre für den "Bärnerbär" das Letzte! Daraus könnte nun schon wieder mal "Bärlin" etwas lernen. © by León W. Schönau

Ach was, schon wieder vorbei? Die hellen Tage im Dunkel der Stadt? Das Glitzern und Flittern? Die Werbung um Herzenswärme? Die verführerisch, aber noch sittlich genug entblößte  Frau Falk Unter den Linden?

 

Wieder Wollstrümpfe überziehen? Wieder vermummte Nichtwerbefrauen sehen? Wieder darum bitten, doch diese und jene Kerze anzuzünden?  Und bis zur nächsten Adventszeit sinds immer noch 11 Monate. Da bleibt einem nur auf die 5.Jahreszeit zu hoffen ... Oder gleich auf den Frühling.

Text©León W. Schönau

Wanderer, kommst du ins nachbarliche Polen, stehst du kurz vor den bekannten amerikanischen Eistürmen. Aber po polsku bitte! Es ist nämlich Eis - Sommer. Natürlich tragen die Mädchen mini. Natürlich ist der polnische Urlaub mit mehr Basar, mehr Süßigkeiten und Autoscootern an jeder Straßenecke ausstaffiert. In Polen flaniert man anders, spricht man anders, küsst man anders, zeigt man, dass man Familie - anders ... Und natürlich gibt es DIE Eisschlange, die neben anderen Softeisbuden, die nichts taugen das einzigartige Eisversprechen symbolisiert. Hier! „Lody amerikanskie“ ...

 

Es ist alles so schön amerikanisch, farbig, in gedrehten Skylines auf den Waffeln und sowieso schon getunkt, getaucht, kopfüber in Liebesperlen, heiße Schoko oder sonstwas, was glibbrig süß die gedrehten amerikanischen Eistürme herunterrinnt ... Schön ist es auch erst mal, die Eisdrechselarbeiten der polnischen Iceladies zu beobachten. Der Automat schiebt ihnen unbarmherzig softige Eismasse zu. Dann geht es, je nach Kundenwunsch, mit dem Kleckertum ab den heißen Schokotopf. Das aber will gekonnt sein und verlangt entweder amerikanskie Studienaufenthalte in New York oder angeborene Geschicklichkeit, die beim Schlagsahneformen oder Butterfleckchendesignen zu Hause am Küchentisch in Gansk bereits vorab trainiert wurde. Und siehe da, es gelingt ohne Eisunfall, jedenfalls überwiegend. Als häufiger Lody-Fan und Schlangesteher habe ich natürlich so manchen Lody-Unfall belustigt beobachtet. Für die geschickten Eisdreherinnen ist es ein größeres Malheur als für die kreischenden Eismöchtegerns vor dem Tresen. Selten hört man so viel polnische Entschuldigungen, wie beim Eisturmtunken, egal in was, wenn es dann passiert, dass das leckere Drechselwerk sich in Schokosuppe auflöst oder in dem süßen Krümelbassin verläuft ...

 

AUS DEM JAHR 2011


Der Sputnik piept bei MOCKBA auf dem Dach

 

Wenn das keine Erdumrundung der revolutionären Art ist... Steigst du die Treppen aus der U-Bahnstation Schillingstraße leicht keuchend empor, umgibt dich mit Wabenmuster, kyrillischen Buchstaben umrankt hinter den postkommunistischen Neonröhren die Welt des optimistischen Kommunismus á la versunkene DDR. Über MOCKBA=Moskau und nicht über Berlin startet er fortwährend himmelwärts, der legendäre „Sputnik“ (russ. Weggefährte, Begleiter, Trabant, Satellit). Am 4.vOktober 1967 erreichte er als erster von Menschenhand geschaffener Satellit überhaupt eine Erdumlaufbahn. Ein Sieg des Kommunismus im Weltraum! Auf Erden war bis dahin noch einiges zu regeln... und es herrschte außerdem ein sehr kalter Krieg.

Aber Denk-mäler braucht der Mensch, um sicher denken und sich besser verorten zu können. So trugen die DDR-Architekten Josef Kaiser und Horst Bauer mit dem bereits 1959 geplanten und 1961 (Wir sind die Größten!) begonnene Gebäude „Café Moskau“ zur Denkmälerei an der Pracht- und Machtstraße der frisch eingemauerten DDR bei. Der Sputnik in Originalgröße war damals ein Geschenk des sowjetischen Botschafters in Anerkennung des blinden Gehorsams, der unablässigen Bewunderung und des ideologischen Kotaus der DDR vor der großmächtigen UdSSR („Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“.)

Das heute wieder überraschend licht und schlicht erscheinende Gebäude mit Atrium besitzt einige sorgsam restaurierte und damit auferstandene innenarchitektonische Relikte aus der „ruhmreichen“ Zeit, z. B. den Russischen Salonmit Nebensalon Leningrad, den Ukrainischen Salon, die Natascha-Lounge,den Salon Moskau, die Salons Kaukasus und Riga... Ganz sicher ist dies alles Nicloas Berggruen zu verdanken, der nach längerem Durcheinander in der Nachwendezeit und etlichen Baufälligkeiten des immer mehr in sich versinkenden Gebäudes, beherzt 2007 den Zuschlag zum Besitz erlangte und in die Renovierung Millionen investierte.

Nein, nichts ist im Moment öffentlich nostalgiesowjetisch zu genießen oder zu besichtigen. Es sei denn, du willst deine nächsten Firmen- oder Familienkonferenz unter dem kleinen Piepsding da veranstalten. „Tagen unterm Sputnik“ bewirbt deshalb die derzeitige Pächter-Eventorganisation das unter Denkmalsschutz stehende Eckmonument. Irgendwie und -wann sollen auch DJ´s die Matrjoschkas an Wochenenden hier tanzen lassen... Auf alle Fälle mal an dieser Stelle in Berlin aus der U-Bahn raus und nachsehen, ob´s noch piept... (Text©2011byleonwschoenau)

 


JUNI 2011

photo©byleonwschoenau
photo©byleonwschoenau

Ufo in Berlin gelandet!

 

 

Berlin reckt und streckt sich Tag und Nacht in den Kosmos der Welt und darüber hinaus. „Sei Berlin!“ ruft es. Und „sei überdimensional“ und „sei nicht erschreckt!“. Das ist bekannt. Und beliebt bei den Journalisten, weil´s Geschichten erbringt...

 

 

 

Humboldt-Box mit Schlossappeal. Nun aber landete auf einer kamillenblütenübersähten Baustellenwiese, mitten in der Stadt, die „Humboldt-Box“. Ein eloxiertes metallenes Etwas mit 5 Geschossen, insgesamt 28 Meter hoch, in den Sonne glänzender kubischer Boxwürfel. Unten Boxenstopp für Touristen. Genannt: „Humboldt-Box“? Tja, Humboldt, Alexander oder Wilhelm? Beiden! Den Gebrüdern eben! Die beiden Berliner Superstars aus dem wilden18. bzw. 19. Gelehrten- und Forschungsjahrhundert haben schon manche anderen Bildungsstätten und Berliner Sightseeings für sich eingenommen. Aber vielleicht aber ist doch mehr Alexander, der Naturforscher, Diplomat, Geograph und Forschungsreisende für die Schloss-Promotion angesprochen?

 

 

 

Macht nichts, alles nur temprorär! Während die eben gelandete H.-Box mindestens sieben Jahre temporär bleiben soll (bis denn das Schloss steht) werden den Namensgeber Humboldt aus der alten Ewigkeit bald in die neue Ewigkeit des errichtenden Berliner Stadtschlosses transformiert. Die Box ist also nur temporär, das Schloss, Verzeihung „das Humboldt-Forum“, dagegen „forever“. Obwohl nun mit „Schloss“ als Krönungsnamen des Bauwerkes eigentlich schon Schluss ist, was den offiziellen Namen des künftigen steinernen Bauwerks im Sinne aller darin ehemals waltenden und schaltenden deutschen Könige und Kaiser betrifft. Denn es glitzert allenthalben „Humboldt-Forum“ in den Überschriften. Damit hat die Monumentalität des vom zeitgenössischen Italiener Frank Stella zu rekonstruierenden norddeutschen Barocks ihren erhöhenden Namen weg. Auch der Bildhauer Andreas Schlüter kommt so nochmals zu weltumspannenden Ehren.

 

 

 

Sei spendabel, Humboldt-Freund und Monarchist! Was diese hehren historischen Rettungsmaßnamen (552 Steuermillionen €!) nun mit dem globalen Forscher A.v.H. schmückt und die Berliner Museen eines schönen späteren Tages aufmischt und modern hinter den antiken Schlossfassaden präsentiert, will schon früher auf dieses nachmonarchistische demokratische Ereignis aufmerksam machen. Mit Recht! Dazu ist das architektonische Ufo auch gelandet. Es hätte auch die Form einer Werbetrommel haben können, denn des Spendens darin soll kein vorzeitiges temporäres Ende sein... Ehrgeiziges Spendenziel: 80 Millionen € von den Gesamtkosten. Schauen wir also froh auf das verkantete und mehrfach verstrebte temporäre Etwas. Eines Tages, Jahres steigt es wieder auf und ist einfach entschwunden. Und zurück bleibt das ewige Schloss-Humboldtforum (2018, wirklich?). Wer wird dann dort, eventuell auf dem Kaiserbalkon, die aktuelle globale Bildungseröffnungsrede im Sinne der Humboldts halten? (Text©2011byLeón W. Schönau)

 


Foto: L.W.Schönau_CTD
Foto: L.W.Schönau_CTD

Geiz macht satt!

Vom 1. Stock eines Berliner Doppeldeckers aus gesehen macht sich die einzige mir bekannte essbare Geizecke in Berlin ausnehmend verhuscht. Dies mag aber an der Busgeschwindigkeit liegen, bei der der Fahrer nicht mir dem Gaspedal geizte. Ansonsten erfasst der geizige Blick das zentrale deutsche Sparschweinargumente auch bei erlaubten 50 km/h.

 

Die magische Schnappszahl 0,99 € verheißt das paradiesische Sattwerden auf geizige Art. Hat sich der Geiz erst einmal bis zum Magen vorgefressen, ist der Schnellstopp des verarmten Berliner Hungerkünstlers hier geradezu vorprogrammiert. Wer dem anderen nix gönnt und den gesellschaftlich voll anerkannten kapitalistischen Geiz voll inhaliert hat, wird allerdings am Bedienfensterle mit Argwohn auf den Andrang der anderen Geizkragen schauen. Es herrscht nämlich reichliches Kommen und Gehen. Geiz spricht sich herum. Besonders wenn es ein solcher satter Geiz ist. Na dann, guten Geiz! Und hinterher bitte nicht rülpsen...

(Text©2011byleonwschoenau)