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ÜBERSICHT VISÍON GENERAL OVERALL VIEW


1 | REISEJOURNALISMUS


2 | REZENSIONEN KULTUR INLAND/ AUSLAND


3 | KRITIKEN AUSSTELLUNG, BUCH, MUSIK, KUNST, KULTUREVENT ...


EIN MENSCHE SIEHT DICH AN. Auf der Straße passiert es im Großstatdtgewühl schon lange nicht mehr. Blicke, auf den Boden gerichtet. Nur nicht mit anderen zusammenstoßen. Blicke starr gerade aus. Durch dich hindurchschauend. Röntgeneffekte im Alltag. Hier, es war in der Ausstellung, begegnen dir (fotografierte) Menschen mit ihrem unverstrellten Augen-Blick. Die Fotos machen es möglich, was dir schon lange nicht mehr passierte: Freude, Berührung, Überraschung. Eine Neuentdeckung des Menschen. Wieder außerhalb der Ausstellungsräume willst du nun ab sofort auf alles achten, was Augen-Blicke bringt. Gewinn: Wieder etwas mehr Achtsamkeit gelernt ...  León W. Schönau


4 | KOLUMNE


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4 | KOLUMNE


VOM FEBRUAR 2017

... und die Moneysonne geht auf!

 

Der Monat hat zwischen 28 und 31 Tage. Das Portemonnaie hat in dieser Zeit. Zeit für Flut und Ebbe. Der Mensch, dem es gehört, hat ebenfalls in dieser Zeit Höhe- und Tiefpunkte. Nicht aus psychischen Gründen oder wegen der Geheimnisse der monatlichen Verliebtheitsskala. Seine Geldbörse und deren Füllgrad mit altmodischem Papiergeld oder Münzen signalisiert ihm Möglichkeiten und Grenzen, sich etwas zu gönnen, über die Stränge schlagen zu können - oder ganz einfach: Butter, Brot und Brötchen im Schrank zu haben, neben allen Tassen dort, oder Benzin im Tank. Oder eben nicht.

 

Zweifellos lockt im Money-Ebbezeiten alles, was Kredit oder erträgliche Überziehungszinsen greif- nutz- und aushaltbar machen. Augen zu und abgebucht ... Dennoch bleibt dem gut erzogenen, risikoscheuen Normalbürger nichts wesentlich Disziplinierteres übrig, als sich zusammen zu nehmen, den Gürtel enger zu schnallen und sich, unter Zusammenkneifen der äußeren und inneren Bedürfnisse, an dem zu freuen, was er gerade (noch) im Geldbeutel hat.

 

In der Regel öffnet dann der organisierte demokratisch organisierte Rechtsstaat für die vertragsberechtigen Verdiener oder disziplinierten Rentner die Geldschleusen. (Die Freiberufler oder Obdachlosen müssen hier aus Vergleichsgründen pietätvoll aus der Diskussion genommen werden). Während für die o.g. Otto- und Emmanormalverbraucher bei Überschreitung der Monatsmitte die Moneysonne am Untergehen ist, und die oben beschriebenen Gürtel zur Anwendung kommen, hellen sich in den letzten ca. 3 Tagen des Monatsendes die Gesichter der Supermarktshopper sichtbar auf und stellen auf ihre Art ein existenzielles Sonnengleichnis zur Schau: Es wird hell, es wird warm, es ist Hoffnung. Dann die jeweils monatsletzten Tage im Extrem-Detail: Straßen und Geschäfte sind entleert, der Straßenverkehr in den geschwindgkeitsbegrenzten Einkaufsmeilen sichtbar verdünnt. Bankautomaten, überall jederzeit zugänglich, betriebsbereit und funktionsfähig, auch für größere Abhebesummen. OHne Kunden. Verkäufer im Entspannungsmodus ...

 

Dann - Schleusenöffnungstag des monetär rechtmäßig verdienten neuen Monatssegens! Letzter des Altmonats oder erste zwei bis drei Tage des Neumonats. Die Moneysonne geht auf! Alles was Beine und Räder hat ist untergwegs, „Rentnerautos“ inklusive. Die Straßen voll. Verkehr rasant. Man merkt, dass neuer Mut geschöpft wurde/wird. Moneysonne eben ... Supermarkt proppevoll, fußscharrende Kunden mit dicken Portemonnaies, alle Kassen in Betrieb, lange Schlangen, nervöses Verkaufspersonal. Das Angebot bereits am Vormittag: Nur noch Welkes von gestern. Die Entschuldigung des Sozialismus "Ham wa nich/ nich mehr" greift um sich wie eine systemstürzende Krankheit. Es wird dennoch gekauft, was das Zeug hält. Einkaufswagen brechen vor Ware. Kassenbänder beginnen synchron zu streiken. Kassiererinnen denken an ihre letzte Weiterbildung "Wie bleibe ich ruhig an Zahltagen, wenn die Moneysonne aufgegangen ist".

 

An Bargeld der Automaten fast nicht mehr sofort und leichtabbuchend ranzukommen: Auch hier Schlangen, die "Geld!“ bedeuten. Mindestestens 3 von 5 Money-Automaten streiken. Bankangestellte die bestürmt werden und nicht weiter wissen. Es bildet sich die Kategorie „murrende Abheberschlange“. Ein Land, eine Stadt, ein Dorf - im Moneyausnahmezustand!

 

Nach vier bis fünf Tagen des inzwischen nicht mehr sio neuen Monats legt sich der Hype. Alles ist mehr oder weniger im zufriedengestellten grünen Bereich angekommen. Es herrscht Moneyfrieden im Shoppingland. Die Sonne wird schon nicht mehr wahrgenommen, sie ist halt da ... Das Leben ist moneyschön-ey!

 

Text: León W. Schönau


2 | REZENSIONEN KULTUR INLAND/AUSLAND


CORNELIA SCHLEIME. "EIN WIMPERNSCHLAG". BERLINISCHE GALERIE. NOCH BIS 24.04.2017. REZENSION UND FOTOS VON LEÓN W. SCHOENAU

PHOTO © BY LEÓN W. SCHÖNAU
PHOTO © BY LEÓN W. SCHÖNAU

Oktober 2016: EMOP Berlin 2016 – European Month of Photography.  Bildabwertung, Bildaufwertung ... Resignation versus Kreation. Die Photobookdays in Berlin. Von León Wolfgang Schönau. READ MORE, HERE


BERLIN. 19.04.2016. ERÖFFNUNG DER 7. BERLINER STIFTUNGSWOCHE. AUFTAKTVERANSTALTUNG IM ALLIANZ-FORUM. TEXT & PHOTOS BY LEÓN W. SCHÖNAU.

Solidarisch die Herausforderungen der Zeit bewältigen. 7. Berliner Stiftungswoche 2016 eröffnet.

 

Unter dem Thema „Von der Würde des Menschen“ wurde die diesjährige Stiftungswoche am 19. April im Allianz Forum am Pariser Platz eröffnet. Stiftungen sind in Deutschland keine Feigenblätter. Kleine und große Stiftungen leisten mit ihrem Engagement Jahr für Jahr Vorbildliches für Benachteiligte, Ausgegrenzte, Hilfsbedürftige ... nicht nur in unserer Gesellschaft. Die Wirkung geht über die europäischen Grenzen hinaus. Angesichts der fortwährend zunehmenden Konflikte und Auseinandersetzungen in der Welt, war es gut, sich in diesem Jahr für die Stiftungswoche dem Thema „Würde des Menschen“ zuzuwenden, darüber zu erzählen, Menschen zu Wort kommen lassen, die sich diesem, einstmals nur als philosophisch relevantem, heute jedoch fast täglich in Frage gestelltem Begriff „Würde“ aktiv und beispielgebend zuzuwenden. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“- Eröffnungssatz aus Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes. Wie ist es damit beschaffen, mit dem toleranten und respektvollen Zusammenleben im Inland und im Ausland? Christina Rau, die Schirmherrin der Berliner Stiftungswoche, stellte dazu kritisch fest, dass damit auch das Nachdenken darüber angeregt werden solle, „ob wir selbst immer diesem Maßstab genügen und wo wir mittun und uns einbringen können.“

 

RBB-Moderator Jörg Thadeusz führte in gewohnt sympathisch-jovialer Art durch den Abend und moderierte. Prof. Dr. Klaus Hoffmann-Holland, Vizepräsident der FU-Berlin und Sprecher von „Human Rights under Pressure“, eröffnete mit einem Startvortrag die gesamte Veranstaltung, die von Anfang bis Ende auf Diskussion mit sachkundigen geladenen Gästen ausgerichtet war. Jedoch, wie schön: Ein frei bleibender Stuhl in jeder Diskussionsrunde lud auch das Publikum ein, „sich zu trauen“, auf ihm Platz zu nehmen und in die Diskussionen gleichberechtigt einzugreifen (Format „Fish-Bowl“). Hoffmann-Holland zog den großen historischen Rahmen zum jahrhundertalten Kampf der Menschheit um Etablierung und Achtung Menschenrechte in den unterschiedlichsten Gesellschaftsformationen. Der Abend beleuchtete 3 Detailthemen, in denen sich „die Lage der Menschenwürde“ sehr anschaulich zeigte und die deutlich machten, was alles noch zu tun ist, um den oftmals starr wirkenden Begriff mit Leben zu erfüllen: 1. „Sport als Chance“, 2. "Gesundes Arbeiten“ und 3. „Selbstbestimmtes Älterwerden“.

Die Diskussion rund um das Thema Sport und die Arbeit mit dem Nachwuchs machte deutlich, wie wichtig Sport ist, wenn es um Entwicklung von Selbstvertrauen, den Kampf gegen Ausgrenzung und Mobbing sowie die Förderung von Integration und Inklusion geht. Beeindruckend schilderte besonders Harry John, Sportlehrer der Toulouse-Lautrec-Schule für Körperbehinderte die tägliche Arbeits- und Lebenswelt dort. Die rasanten Veränderungen in unserer Arbeitswelt besprachen die kompetenten Fachvertreter in der Runde “Gesundes Arbeiten“, mit Frau Prof. Dr. med. Birgit Mazurek (Deutsche Tinitus-Stiftung Charité), Herrn Van Bo Le-Mentzel (Architekt und Philosoph) und der Mobbing-Expertin Brigitte Hansmeier-Hörning (ver.di Berlin). Schließlich wurde im Themenkreis 3 die demografische Entwicklung einer zunehmend älteren Bevölkerung aufgegriffen, um zu erfassen, was man selbst und was andere (auch via Stiftungen!) tun müssen, damit der Übergang nach dem Berufsleben nicht auf´s Abstellgleis des Lebens führt. Was heißt hier „selbstbestimmt“? – eine überaus schwierig zu beantwortende Frage, auch und besonders in der allerletzten Lebensphase des Menschen, die in Würde erlebt werden möchte. Überaus anschaulich und glaubwürdig wirkten hierbei die Diskussionbeiträge von Dr. Marianne Koch (Ärztin/Publizistin), Prof. Winfried Hardinghaus (Deutsche Hospiz- und Palliativ-Stiftung) sowie Pfarrer Martin Germer (Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche.

Text/Fotos León W. Schönau©2016


26.05.2015

„Re-Use“ – oder die bauhausgemäße Wiederverwendung des Bauhauses

 

Da steht ein gläsernes Bauhaus vor dem Bauhaus-Archiv in Berlin? Gropius á la DDR 1976? „Bauhaus-Erweiterungsbau“ titelte einen Tag später der Tagesspiegel und aus den Lautsprechern der Touristendampfer auf dem Landwehrkanal nebenan war schon Tage früher zu vernehmen: „Und hier sehen sie den neuen Glaspalast, einen Erweiterungsbau des Bauhaus-Archives Berlin“. Soviel Aufmerksamkeit, zwar nicht ganz korrekt – hat aber auch schon etwas in aufmerksamkeitsgesättigten Hauptstadt. Dr. Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs, konnte bei Ihrer Eröffnungsrede am 26. 5. denn auch alles richtig stellen: Der „temporäre Mehrzweckpavillon“ ist Teil eines neuen bauhaus-Projektes, zeitgemäß genannt „re use“- entstanden aus einer Kooperation zwischen „zukunftsgerauesche GbR“, dem Archiv und der IKEA-Stiftung. Der markante Glasbau vor den „heiligen Gropiushallen“ stellt nichts anderes dar, als eine geschickte (und natürlich zweckmäßige) rechteckige Anordung von fast 100 Metern ehemaliger Fassadenelemente aus der Nordfassade des Bauhauses Dessau. Nach fast vierzigjähriger „Ablage“ der stilistisch und technisch interessanten Elemente aus dem Jahre 1976 taucht mit der heute hier manifestierten Re-us-Pavillonidee auch eine klassische Bauhaushaltung des optimalen Materialeinsatzes und der sinnvollen Wiederverwendung von Materialien auf, ohne damals an die große Glocke der Wiederverwendung gehangen worden zu sein. Man bekennt sich hier beim Bauhaus-Archiv auch geschichtsbewusst-progressiv zum Bildungsgedanken des Bauhauses und deklarierte den Pavillon kurzerhand zur „Bildungsbaustelle). Die Knobelsdorff-Schule wird dabei stellvertretend genannt. Weitere Bildungspartner sind ebenfalls mit dieser Idee verbunden. Eine „bauhaus-werkstatt“ soll hier 2015 und 2016 für Kinder und Jugendliche das praktische Bauhausgestalten nachvollzieh- und erlebbar machen. Architektur. Design und Stadtentwicklung, das sind weitere Themen, die hier „unter Glas“ in die Stadt getragen werden sollen. Berlin kann so etwas angesichts der gegenwärtig besonders zugespitzten Architektur- und Wohnraumdiskussionen wohl gerade sehr gut gebrauchen ...

Text & Fotos: © 2015 by León W. Schoenau


REISEJOURNALISMUS


LANZAROTE CANARIAS 2014


Kunstinspiration Lanzarote: Gursky kommt!

Bericht von León W. Schönau

Prof. A. Gursky (Source: Wikipedia)
Prof. A. Gursky (Source: Wikipedia)

EN EL CASTILLO: Design Jens Knothe

Ich stelle hier einfach mal eine These auf, die ich eventuell nur vor Lanzarote-Nichtkennern vielleicht beweisen, muss, nämlich die, dass Lanzarote als Insel und Biotop alleine schon derartig viele und vielgestaltige Kunstimpulse für Wahrnehmer, Deuter, sensible Weltendarsteller und Kunstschaffende von sich gibt, dass nicht nur Produktivitäten von dieser Insel beeinflusst, sondern eben auch Inspirationen mit derartiger Kraft und Stärke zu Tage treten, die vorher so nicht geahnt wurde. Ich spreche aus eigener Erfahrung was das Schreiben und fotografieren angeht ... „Leere“ gebe ich nun als Metapher her, die für diese zunächst mythisch anmutenden Inselimpulse stehen soll. Andreas Gursky nun, Fotoprofessor aus Düsseldorf , weltweit bekannt und berühmt genug, hat mit sechszehn seiner bei ihm Studierenden nun die Ergebnisse der Konfrontation verschiedener fotografierender Persönlichkeiten mit dem „ Leere-Reiz-Klima-Thema“ dieser Insel als Ausstellung zusammengestellt. Die Objekte selbst wurden in Workshops 2013 auf Lanzarote geschaffen. Die Ausstellung wird ab 10.Mai 2014 im MIAC gezeigt, dem Museo Internacional de Arte Contemporáneo in Arrecife. * Sie umfasst Fotostücke, Videos und Installationen. Der Meister selbst tritt nicht als primus inter pares auf sondern ordnet sich mit drei Kunstwerken in die insgesamt 53 Exponate relativ unauffällig ein.

Es ist eine Ausstellung, die nicht einfach „nur so“ oder „in die Landschaftskunst“ Lanzarote gestellt wurde. Neun Monate gingen dazu vorbereitend ins Land. Spätestens seit César Manrique weiß man, das Lanzarote selbst ein Kunstwerk ist, dass wie ein Schiff im Atlantik, nahe Afrika, treibt und unter allen wechselnden Lichtern der Tages- und Jahreszeiten ein eigenständiges Kunstfaszinosum ist. Wie sollte es mit Gursky & Co dann anders sein, als dass dieses MIAC-Projekt wiederum Teil von etwas Größerem an Projekt ist, das der Idee des Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach entsprang. Wer um die Inszenierungen und die schöpferische Durchsetzungskraft von Achenbach weiß (inkl. der Fundación Helge Achenbach), versteht auch, dass seine Intention für Lanzarote ist, eine Insel mit vielen (integrierten) künstlerischen Schaffens- und Betrachtungspunkten zu gestalten. Und zwar ernst und engagiert gemeint!. Und die Vorzeichen für diese Denk- und Umsetzungsrichtung stehen schon heute gut und teilweise sichtbar im Inselraum. Die Idee des Lanzarote-Liebhabers und Kunstförderers Achenbach (seit 1978 mit einem Haus an der Costa Teguise) ist die vom „Etwas-Zurückgeben“. So wird sich seine Fundación um zum Beispiel um Inselresidenzen für Künstler kümmern. Vorzeigeobjekte für die Gegenwart gibt es schon. Da wäre etwa die Marina Rubicon in der Touristenhochburg Playa Blanca zu nennen. Hier zeigt zur Zeit die Gursky-Meisterschülerin Anna Vogel ihre Fotowerke in, vergleichsweise, kleiner aber sehr feiner Aufmachung – Meerblick inklusive –. Im Convento de Santo Diego in Teguise endet gerade eine mehrmonatige Ausstellung von Günter Uecker, einem deutschen Maler und Objektkünstler von internationalem Rang. Jörg Immendorffs Beuys-Skulptur „Der Affenseher“ blickt vom Aussichtsberg Mirador del Rio zur gegenüber liegenden Insel Graciosa. Achenberg hat auch das geschafft ... Das ganze Zukünftige ist zudem auch überaus interdisziplinär von ihm gedacht und soll Bildende Kunst, Musik oder Choreografie u.a.m. zusammenbringen. Der große Austausch untereinander, eine befruchtende Idee soll es nun werden und das Beste wäre, wenn daraus ein europäisches Kulturfest würde, dass er aller drei Jahre für einen längeren Zeitraum auf dieser Inseln stattfinden sieht ... Als Erster begeisterte sich Günter Wallraff für Achenbachs Idee. Wallraff, selbst auch Lanzarote-Fan seit Urzeiten, will sein Haus, inmitten der vulkanischen Einöde von El Golfo zur Verfügung stellen. Umgebaut werden muss es natürlich noch. Ein Haus der offenen Türen, wie er sagt – und auch die Inselkünstler aller Art sollen diese dort finden. Das setzt gute Zeichen für die Kunst- und Kulturszene der Insel selbst, die in Zeiten immer noch erheblich hoher Arbeitslosenquoten und wirtschaftlicher Miseren im Spanieneffekt der Bankenkrise

um Zuwendung und Verkauf/Ankauf ihrer Werke kämpfen muss. Nicht alle Touristen von außerhalb werden es richten – das weiß man inzwischen schon auf der Insel. Und koordiniert sich gern mit diesem großen Kunstprojekt. Möge es gelingen ...

 

* Das Internationale Museum für Zeitgenössische Kunst MIAC befindet sich in einer alten Militärfestung der Burg San José. Das Museum wurde im Jahr 1975 eingerichtet, mit dem Ziel, die "bedeutendsten Kunstwerke des künstlerisch modernen Schaffens zu unterstützen, vereinigen und auszustellen". Öffnungszeiten: Jeden Tag von 11 bis 21 Uhr, Restaurant: 13 bis 23 Uhr. Telefon: 928.812.321

Lanzarote: Foto © von León W.Schönau CTD
Lanzarote: Foto © von León W.Schönau CTD

MUSIKKRITIK | JAZZ


BERLIN|GERMANY

POSTED ON 16TH OF FEBRUARY 2014

Swingschmiede in BERLIN-Lichtenrade

Ein Samstagabend in der 70-er Jahre Jazz-Lounge

Text und Fotos von León Wolfgang Schönau

FOTO©BY LEÓN W. SCHÖNAU
FOTO©BY LEÓN W. SCHÖNAU

Dass Lichtenrade nun schon mindestens seit 4 Jahren eine der Metropole Berlin südlich vorlagerte Jazztown ist, hat sich schon ziemlich publikumswirksam herumgesprochen. Neben den monatlichen Freitagabenden im großen Saal des Gemeinschaftshauses an der Ecke Barnetstraße/Lichtenrader Damm hat Jazzmatador und umtriebiger Organisator und Saxophonist Lutz Fussangel nun die Lounge im 70-er Jahre Souterrain des nostalgisch anmutenden Baus erschlossen ... „Swing, swing, swing ...“ wer kann sie aus der „Generation Swing“ diesen lockenden Rufen schon entziehen? Und so war am letzten Samstag 15. Februar, (evtl. noch inspiriert vom Valentinstag?) alles gut besetzt und in Swing- und in Tanzlaune. Musikalisch schmiedeten die Swingschmiede eine ins Ohr und in die Füße gehende gute Mischung aller gängigen Hits von damals. Das war einleuchtend, denn alle 5 Schmiede * haben in den 1950er und -60er Jahren angefangen zu „jazzen“ Es lag nahe, sich in einer gemeinsamen Formation zu finden, das war aber „erst“ 2008. Bis dahin und auch außerhalb der jetzigen Schmiedegruppe spielten/spielen sie noch in anderen Bands (z. B. Super One Eleven, Modern Swing Quartett, Buchenberg Swingtett, Blue Closet Band). „Oldies but Goldies“ , so könnte man zu allen Musikern der Gruppe sagen, denn sie „bewegen“ sich zwischen 70 und 80, gut erhalten und musikalisch professionell. So hören sich dann auch die Stücke von Mulligan und Monk, Golson oder Mingus, Benny Goodmann und Stücke aus dem „American Songbook“ an – eben wie in guten alten Zeiten. Nicht zu übersehen und zu überhören ist das ausladende Vibraphon. Es glitzert und vibriert auch an diesem Abend ganz vorn an der Bandfront. „Klarinette –Vibration – together “ – eine wunderbare swingende Kombination dieser Band! Lutz Fussangel mischte sowohl im Schmiede-Team als auch mit eigenen Sax - Solos mit, dass es eine Freude war. Nicht erst um Mittenacht sondern in der muntersten Zuhörstunde war dann – selbstverständlich – Tanzen und die Jam-Session angesagt. Wohl dem! Alles amüsierte sich prächtig. Eine einmalige Atmosphäre – zum Weitersagen für Neugierige, und für Insider zum Wiederkommen! * Besetzung: Klaus Liersch (cl, as, bs), Peter Förster (vibes, fl, cl, ts), Wolfgang Jørgensen (p), Rolf Liersch (db), Wolfgang Radecke (dr).

 

Die nächsten Veranstaltungen in der „Jazztown Lichtenrade“ finden Sie unter: http://www.jazzfueralle.de/programm.html


REISEJOURNALISMUS | ISLAS CANARIAS, PROJEKTBEISPIEL 4


Die Gefühle der 7 Inseln zur Bildsprache gebracht!

 

Zu dieser nagelneuen Videoclip-Tourismuskamapgne für die Kanarischen Inseln kann man die kanarischen Tourismusmarketer wohl erst einmal ordentlich beglückwünschen. Denn hier haben talentierte Leute endlich einmal etwas subtiler in die Klaviatur der "authentischen" Gefühle gegriffen. MEHR LESEN


3 | KRITIKEN AUSSTELLUNG, BUCH, MUSIK, KUNS, GASTRONOMIE ...


BERLIN | GERMANY | SERIE "BERLINER TUCHFÜHLUNGEN" (2015)


Berliner Tuchfühlungen/2: Bürgernah im Roten Rathaus

 

Das „Rot“ hat der Volksmund geprägt. Das Rathaus hält auch außen, was der Backstein verspricht: Es ist rot von ihm und wirkt klassisch distanziert im Umfeld der architektonischen Missgeburten verschiedener Bauepochen. Ein kleiner roter Solitär in der abgewetzten Mitte Berlins. Eigentlich regelrecht staatstragend deshalb auf diese Art und Weise. Auch auf die Rathausuhr ist größter Verlass. Es schlägt 11. Ich gehe hinein in meine „townhall“. Rot läuft der, erneut staatstragende, Teppich die vielen Stufen in der weiten und hohen Halle treppauf. Treppab kommt eine Hochzeitgesellschaft, Braut und Bräutigam aufs Feinste gekleidet. Im Rathaus standesamtlich heiraten - das Größte! Die türkischen Hochzeitsbürger der Stadt scheinen das wohl am besten zu wissen. Ich sehe es ihnen an. Die Statistik liefert uns Raumvorstellungen: 252 Büros und 15 Sitzungssäle. Gesessen wird also hier reichlich. Die Säle sind Repräsentationssäle: Das arme Land Berlin will auch mal wer sein, so war das wohl schon immer: Gold überm Stuck (nicht echt!), Gold auf dem Buchumschlag (Goldenes Buch), mehre „Geschenkvitrinen“, angefüllt mit goldglänzenden Geschenken für die Regierenden Bürgermeister ... Ernst Reuter macht das alles nicht aus. Er blick mit weisem Gesichtsausdruck aufs heutige demokratisch emanzipierte Besucherpublikum. Jeder darf hier rein. Ohne Taschenkontrolle oder Leibesvisitation. "Rathaus Freies Berlin" fällt mir bei diesem Gefühl ein. Wenn es denn Vorbilder gab, vor dem die Berliner Baumeister des Rathauses nicht respektlos waren, so waren dies die Italiener. Schon außen vermittelten mir schwere Terrakottatafeln im umlaufenden Fries alle wesentlichen Kenntnisse zur Stadtgeschichte zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert. Und nun innen wird mir der Säulensaal als nach dem Vorbild des Palazzo Publico in Siena ausgemalt nahegebracht. Geradezu erfreulich bodenständig deutsch ist dann natürlich das Auftauchen von echten Thüringer Marmor im Fußboden des Wappensaals. Dort versetzt auch die überlieferte Geschichte von der immerwährenden gesamtberliner Wappensammlung in Erstaunen. Die auf die solide gemachte Bleiglasfenster aufgemalten Wappen der Stadtbezirke, sollen auch während der ganzen westdistanzierten Zeit des Ostberliner Magistrats, komplett Ost- und West-Berlin abbildend, dort geprangt haben. Die Ostberliner „Wappen-Neuschöpfungen“, wie die zu Hellersdorf oder Marzahn, fügten sich da nahtlos ein. Oh, unbekannte Berliner Wappeneinigkeit ... Und wo ist das Arbeitszimmer, pardon Amtszimmer, des fortwährend arbeitenden Regierenden? Dort! Und wie sieht es drinnen aus? Heute leider nicht möglich, die Klinke zu drücken. Man begnüge sich mit einer Ansicht des Zimmerdesigns vom vormaligen Regierenden Wowereit. Mappe auf: Bitte dort. Ein Foto. Naja ... Der ohne Zweifel größte Saals, zwei Kronleuchter, ist der Festsaal mit 30 x 18 Metern überraschend voluminös und ohne Weiteres wiederum als sehr staatstragend einzustufen. Anton von Werner malte den umstrittenen Bismarck im Mittelpunkt einer offensichtlich bedeutsamen Szene im Gemälde „Der Berliner Kongress von 1878“. Das Bild bespielt den ganzen Raum bis zur letzten Stuhlreihe. Blieben nur noch die Innenhöfe, die sich etwas der andächtigen Roten-Rathaus-Begehung entziehen, es sei denn, man Betritt vom Gebäude aus eine der vielen angesetzten Metallgitterbrücken, die darüber hinweg führen. „Patio“, italienisch fundiert, ist auch hier der fortgesetzte italienische Eindruck für die Höfe. Es fehlen allerdings Grünpflanzen und mindestens ein Palme pro Innenhof. Wieder draußen fällt mit dem Blick auf den U-Bahn-Bauzaun das Wort vom Mittelalterfundament des Roten-Rathaus-Vorgängers. Die Bahnbaustelle hat´s möglich gemacht, die Fundamente zu entdecken. So kommen zu den 150 roten Backsteinjahren noch etliche Jährchen hinzu, die es nch weiter zu erforschen gilt. Berliner Geschichte, wat biste jroß und jewaltich ... © 2015 León W. Schönau

FOTOSTRECKE ZUM ARTIKEL


Berliner Tuchfühlungen/1: Daddeln im Dunkeln

Der schmutzige Gelbe schiebt sich durch die Metropolenstaus. Man sieht nichts: Scheiben außen - voll Winterspeck und -dreck. Drinnen Muff und Menschenmasse, selig wieder einer Dauerverspätung des öffentlichen Nahverkehrs entgangen und bald im hygienisch einwandfreien Zuhause angelangt zu sein. Neben mir niest´s feucht. Die Busbeleuchtung glimmt dunkelgelblich vor sich hin. Nur schemenhaft sind die Umrisse der Mitgefangenen zu erkennen. Jedoch, da die Mehrzahl daddelt, erleuchten heiligenscheinartige blaugetönte Lichter die müden Gesichter. Der Fahrer presst im gewohnten Berliner Kommandoton die Haltestellenansagen durch die Lautsprecher, knarzend in Wackelkontaktfolge, ausgelöst durch die Schlaglöcher unter uns. Ich habe kein Daddelgerät. Als analoger Hinterwäldler wollte ich eigentlich mein holzhaltiges Leib-und-Magen-Papier aufschlagen und mir die darauf gedruckte Worte zu eigen machen. Die auf Sparflamme gedimmten BVG-Funzeln an der Busdecke lassen es nicht zu. Die Daddler fühlen sich durch mein raumgreifendes Zeitungsumblättern und mein suchendes Papierrascheln in ihrer tiefsinnigen Konzentrationsarbeit nach Feierabend gestört. Ich falte die Zeitung. Ich falte die Hände. Lieber Gott lass Endhaltestelle werden ... © LEÓN W. SCHÖNAU


REPORTAGE: LEIPZIG | GERMANY


1/ REPORT. POSTED ON 16TH OF MARCH 2014

 

Schweiz, Ukraine, Manga-Manga, Buchkultur ... Leipziger Buchmesserundgang eines Durchschnittslesers

Text und Fotos von León W. Schönau

Foto©León W. Schönau
Foto©León W. Schönau

So schnell geht´s: Ich bin schon in einer runden Stunde per Zug am „Messebahnhof“. Leipzig, ein Vorort von Berlin – buchüberheblich ;-) ... Ich nehme das zurück. Dennoch ist´s, als würde gleich das Messemännchen von irgendwoher überlebensgroß winken. Denn die Massen strömen gen „Messeglashallen“, die immer noch wie neu wirken, licht, hell und ein bisschen wärmer, wenn die Sonne die gläserne Bücherschleuse und ihre überhitzten Gänge bescheint. Im Grundrauschen des Publikums ist nicht zu übersehen und –hören, dass die Jugend voran stürmt. Sämtliche Leipziger Schulen (und Kindergräten!!) haben heute offensichtlich den „Buchwandertag“ gegeben und so tummelt sich die digitale Generation zwischen den reichlich traditionell papiermaterialisierten Buchregalen, Plakaten, Prospekten, Katalogen. Es ist wieder mal ordentlich und reichlich geprintet worden für diese Messe. Und alle Verleger, ob große oder kleine, haben´s, wie immer, gerade mal so geschafft, ihre druckfrische Ware heranzukarren und hoch zu stapeln ... Immer wieder, so auch dieses Mal, werden in Leipzig, neben der Hitparade der besten lesenswerten Bücher und ihren vielfältigen Preisen, die Orakel bedient, wie es mit der Zukunft des Buches - print oder digital oder beides – weitergehe, oder der Abgesang aller buchkulturellen Bemühungen wird zelebriert. Ein wichtiges Buch der Messe führt deshalb auch zum Thema hin. „Bücherdämmerung“/1 heißt es. Sein Autor, Detlef Blum, will zusammen mit weiteren acht Autoren der digitalen Morgenröte im Buchschaffen in Form von Essay´s nachgehen. Kern der Erkenntnisse darin: Hier weitere Koexistenz der digitalen und anlogen Publikationsformen, da Inhalt oder Content als generell fortbestehender Kern des Veröffentlichens, in Gestalt des gesellschaftlich notwendigen und somit zeitlosen Erzählens. Wo es sich rasant verändert unter digitalem Schirm, geben die völlig neue und anders arbeitende Autoren als künftige Selfpublisher und das ortsungebundene Lesen selbst in der Freiheit (?) des Worldwideweb ein veränderte Daseinsform des Produzierens und Rezipierens „von Stoff“ ab. Die Schweiz hats nicht nur geschafft, sich zum Buhmann europäischer Freizügigkeit zu entwickeln, sie ist auch mit diesem Makel das aktuelle Gastland auf der diesjährigen Buchmesse. „Gastland“ wurde denn auch sofort von der Eidgenossenschaft gestrichen und die Formulierung „Auftritt Schweiz“ stattdessen formuliert. Was macht´s: Die Diskussion um eine sich einigelnden Schweiz oder eine vom „Souverän“ selbstgestimmte stolze Eidgenossenschaft, die nur die Meinung des bodenständigen und basisdemokratisch gestimmten Volkes gelten lässt, füllt außer so manchen Buchseiten viele der Diskussionen und Lesungen. Politisch ist diese Buchmesse schon immer gewesen, will sie auch weiterhin sein und bleiben. So scheinen die gerade akuten Szenarien des neuen Kalten Krieges, wie sie sich aus dem tumultösen Schicksal der ukrainischen Selbstbefreiung ergeben, viel zu schnell im Nachrichtenticker, um sich auch in gleicher Geschwindigkeit auch auf Buchseiten widerzuspiegeln. „Manga und Anime“ – was ist das? Es ist DAS Thema für Kinder und jugendlich in Leipzig. Die Buchmesse hat dafür eine Halle extra gestiftet, vor allem weil es sich lohnt, lohnt, lohnt ... Mit mehr als 100 Veranstaltungen wird man jungen Leuten größere Geschenke machen als zuvor. Japanische Zeichen-Kultfime im Anime-Kino in der Halle1. Auf dem, natürlich schwarzen, Sofa trifft sich die Starzeichnergilde. Hier auch wieder Japan, ganz klar, natürlich vorn: Tite Kubo, Ema Toyama und Atsushi Ohkubo ... Heute am letzten Buchtag in Leipzig auf der Messe dann die Nachricht über den Besucherrekord: Mit 168.000 Besucher kamen immerhin 5.000 mehr als vergangenes Jahr. Hurra! Die 2000 Aussteller aus 43 Ländern freuen sich. Der deutsche Buchhandel, schon vor der Messe optimistisch, ist nun danach noch erfreuter. Der Abwärtstrend der Vorjahre im Umsatz scheint gestoppt. Auch der sogenannte Publikumsmarkt, wozu neben stationärem Buchhandel auch der Online-Handel und Kaufhäuser gezählt werden, verbreitet Optimismus. Das Begleitprogramm “Leipzig liest“ erwies sich erneut als Renner in der Vorlese- und Zuhörgunst des Publikums. Als zweitgrößtes Branchenereignis nach Frankfurt/M. und vor allem als Stimmungsbarometer fürs laufende Jahr hat der Leipziger Verleger, Bücher und Lesertreff wieder ein paar mehr Pluspunkte sammeln können.

 

/1 "Bücherdämmerung. Über die Zukunft der Buchkultur" (hrsg. v. Detlef Bluhm) ist im Verlag Lambert Schneider erschienen (160 S.). 19,95 Euro


KRITIKEN AUSSTELLUNG, BUCH, MUSIK, KUNS, GASTRONOMIE ...


0/ VERNISSAGE


Saura y Pomés: Portrait

Ausstellung im Instituto Cervantes Berlin

Vernissage am 16.07.2013

 

Lasst die 50-er und 60-er Jahre sprechen! Saura und Pomés mit ihren Porträts als Gemeinschaftsausstellung im Instituto Cervantes Berlin

 

Weitere Fotos von der Vernissage unter EVENT. CLICK HERE!
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Wo sich auch immer Blicke zurück in eine sich immer weitere entfernende Zeit lohnen, der Griff in die Porträtkiste ist allemal lohnend. Kommt es dazu noch zusätzlich zu dem „Promi-Effekt“, schauen aller Zeitgenossinnen und –genossen sehr aufmerksam hin. Es ist eine Zeit, die zwar irgendwie nah scheint, aber für alle derzeit 30- oder 40-Jährigen nur noch in den Fotobüchern ihrer Eltern stattfindet. Carlos Saura (geb. 1932, Huesca/Aragón) und Leopoldo Pomés (1931, Barcelona) werden in der am 16. Juli vor vollem Haus und mit enthusiastisch reagierendem Publikum eröffneten Porträtschau (Schwarz/Weiß überwiegt) mit ihren Porträtfotografien gezeigt. . „Liebe zur Fotografie, was ist das?“ – könnte das Thema sein, zu dem Saura von der Direktorin des Berliner Cervantes, Cristina Conde de Beroldingen, interviewt wird. Pomés fehlt leider dabei. Ich habe nicht vernommen, warum. Nun aber spricht Saura – und wenn Saura spricht, wird es etwas länger, aber es bleibt interessant genug, um mehrfach die Ohren wirklich zu spitzen, was ein berühmter Altvorderer des Films über die Fotografie von sich gibt. Die Einordnung von Pomés-Porträts bleibt dem Betrachter bei so viel Präsenz des munteren Überachtzigjährigen selbst überlassen. Soviel ist allerdings zum „gemeinsamen Nenner“ noch hinzu zu fügen: Beide haben niemals direkt beruflich-fotografisch miteinander zusammen gearbeitet und sich, glaubt man der kurzen Bemerkung von Saura, auch nur ein einziges Mal persönlich getroffen (beide arbeiteten für die Olympischen Siele 1992 in Barcelona). Gemeinsamkeiten, weitere? Sie starteten zunächst als Autodidakten, mehr oder weniger, aus nicht ganz bekannten oder genannten Vorberufen heraus. Saura bemerkt allerdings hier kurz dazu, dass er viel seinem Bruder Antonio verdanke und, man merkt sich, dass er als „Tanzfotograf“ wirkte (siehe „Tanzfilme“ von Saura!). Später studierte Saura an der Staatlichen Filmhochschule Madrid. Pomés wie Saura pflegen den „persönlichen Stil“ (bei Saura mehr „Filmstil“). Pomés´ erste Porträts erscheinen 1955. Mit Karin Leiz gründet er sein erstes Studio "Pomés-Leiz" (1961). Wie Saura im Werbefilm, so arbeitet Pomés in der Werbefotografie. Zwei „Werber“ also, aber immer mit der großen Unabhängigkeitsgeste und einer Stilschärfe, die sich später in den künstlerischen Film-/Foto-Phasen beider widerfinden lässt. Die Werbephase von Pomés hält allerdings länger an, als die Saura´s. Er ist Creative Director bei der Werbeagentur „Tiempo“, wirbt für „Freixanet“ und kreiert die Werbe- und PR-Auftritte der Filmfestivals Venedig und Cannes. Diesem Ganzen merkt man den „Werbemann Pomés“ in den gezeigten Fotos, zwischen 1950 und 1970 fotografiert, so gut wie nicht an. Es sind stille, konzentriert aufgenommene Menschenbilder, feine Nuancierungen in Schwarzweiß, subtile Fantasieanreger teilweise. Saura ist in dieser Zeit schon auf der Erfolgsspur, wenngleich nicht ohne Querelen mit der Spät- und Nachfranco-Epoche. Er treibt das (sein?) „Erinnerungskino“ an. Am Surrealen orientiert er sich bis weit hinein in seine sog. Musikfilme. Mehrfach betont Saura im Gespräch seine Traditionslinie, entlang derer er gearbeitet hat, und die noch heute als für sich gültig im Auge behält: Buñuel, Bergman und Fellini. Die Saura-Foto-Porträts wiederspiegeln die ganze Vielfalt des optisch einfangbaren Lebens überhaupt: Dabei sind dann auch folgerichtig erste Digitalaufnahmen, Farbkompositionen, außerordentlich modern wirkende Fotoperspektiven, von in die Kamera laufenden Kindern bis zu werbestilistisch überhöhten Damenbeinen mit Higheels auf irgend einem spanischen Bahnhof. Saura kommt bei seinen Aufnahmen bis 2012. ("Ich besitze zur zeit 700 Fotoapparate, und weiß nicht welchen ich einsetzen soll ..."). Auch am Abend hat er eine Nikon umhängen, fotografiert aber nicht. Dazu passt die entspannte Gelassenheit des Altmeisters, wenn er sagt, dass er in den letzten 10 Jahren, altersweise, sich nicht mehr Profifotograf nennen lässt:­ Er sei einfach Amateur. Er brauche keine Aufträge, die setze er sich selbst. Freiheit, die geliebte .. Es ist nicht zu leugnen, das macht die Augen auf für die Vielfalt der Motive um uns herum ... nach dem Gespräch gibt es viele Honeurs von seinen Fans und er gibt gedildig Autogramme. Sehenswerte Ausstellung!

Text©León Wolfgang Schönau. (Der Text erschien anlässlich der Ausstellung. Die Ausstellung war vom 17.7. bis zum 6.9.2013 geöffnet, Montag bis Freitag 12 bis 17 Uhr. Instituto Cervantes, Rosentraße 18-19, 10178 Berlin)


KRITIKEN: AUSSTELLUNGEN, BÜCHER, MUSIK, KÜNSTE, GASTRONOMIE ...


1/GASTROKRITIK BERLIN/DEUTSCHLAND


Grafische Umsetzung: ©2013 León W. Schönau
Grafische Umsetzung: ©2013 León W. Schönau

Berliner Kaffehausleben: Auf einen Latte im „Grosz“

 

So schnöde sollte man eigentlich die wieder auftauchende Berliner Kaffeehauskultur nicht ins Textfenster lassen. Anderseits zeigt sich heute am „Latte“, was noch hinter Kaffee & Co steckt. Wir gehen ins „Grosz“, jenes eben gerade neu eröffnete Café (sowie Bar und Restaurant gleichen Namens) im Haus Cumberland in bester Ku´dammlage. Cumberland, eine der alten Grafschaften in England und Namensgeber für den wohlklingenden Adelstitel eines Herzogs vom Cumberland (das englische Königshaus lässt grüßen). Anfang des 20. Jahrhunderts als sogenannter Boarding–Palace, d.h. als Appartement-Hotel errichtet, durchlief der Prachtbau auf fast 10.000 Quadratmetern Grundstücksflächen verschiedenste Stationen: Kaiserliches Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt, Grandhotel, Oberpostdirektion, Reichswirtschaftsministerien, Bühnen, Kinos, Oberfinanzdirektion ... und heute eben das historisch voll restaurierte Geschäfts- und Wohnhaus. Wir treten ein. Durch den trutzburgähnlichen Gewölbeeingang muss man sich erst mal trauen... Die Lettern GROSZ begleiten uns. Ob Grozs himself uns begleitet, werden wir noch sehen ... Der erste optische Empfang saugt uns in einen langen Raum hinein, der durch schnurgerade Gangführung sich nach hinten durchzieht. Rundbögen in größerer Höhe, stuckverziert und goldornamentiert geben dem vorderen Teil etwas leicht Sakrales. Über uns am Eingang sogar eine Empore. Links reflektieren sich emsig arbeitende Büfetiers im leicht Patina überzogenen halbblinden Spiegelhintergründen. Eine Bar mit deckenhoch dekorierter Flaschenvielfalt aus der gesamten alkoholischen weiten Welt schließt sich an. Wir streben einem Tischchen an der Wand mit rechtsseitig plätschernden Springbrunnen an.   Das Geräusch beruhigt und verbreitet Entspannung. Aber wo ist Grosz? Nicht mal die Kaffeekarte selbst verbreitet Grosz´sches Flair. Sie ist gediegen in Braun und Goldschnitt gefertigt und alles Angebotene, von Kaffee, bis Tee, über alle Wässer bis zu den kleinen Tart-Empfehlungen kommt sprachlich bürgerlich glatt gebügelt daher, mit einem leichten Schuss bourgeoisen Wortschöpfungsflair, das man sich wohl gerade noch leisten kann ... Das offensichtlich auch wohl saturierte Publikum entspricht in Habitus und Kopfneigung jener Kaffeehausatmosphäre, die wir eigentlich suchten. Nicht zu alt, nicht zu jung, eben so Mitte ... Wir bringen uns jenes bekannte Grozs-Bild „Die Stützen der Gesellschaft“ vors geistighe Auge, aber nicht mal die Kaffeehauswände geben dergleichen her. Ein paar rascheln altmodisch mit Zeitungen, vornehmlich SZ und FAZ, und lesen darin. Der Rest verfolgt das Suggestive seiner Smartphones. Wo aber befindet sich der typische Zeitungsständer der Altberliner Kaffeehausbauart? Unser Gewünschtes wird schnell und aufmerksam serviert und wir genießen das Kaffeehausmurmeln mit Teelöffelklappern. Im Rundumblick vermögen wir keine Grosz´schen Einsprengsel festzustellen. Weder etwas, dass nach seinen Worten wie „Kunst ist Waffe“ noch anderweitig sozial und gesellschaftskritisch daher kommt. Eine Revolution à la Grosz hier im gleichnamigen Kaffeehaus ist also nicht zu befürchten ... Erst als der unvemeidliche Gang zur Toilette starten muss und die Wegeführung dorthin sich doch noch als „künstlerisch begleitet“ darstellt, werden weitere Bilder an den Wänden entdeckt, die jedoch ebenfalls keinen echten oder reproduzierten Grosz verraten. So ist dann die Überraschung groß, als sich treppab ins tieferliegende WC  zwei sehr großformatige Groszreproduktionen hinterm rechten Handlauf an den Wänden hochziehen: „Eclipse oft he sun“ und „Dedicated to Oskar Panitza“. Da hätten wir ihn dann endlich doch, den unerbittlich kritischen, den so oft politisch Spottenden, den Dadisten, den Kubisten, den Berliner, der mal am Savignyplatz, mal in der Tautenaustraße in Schöneberg zu Hause war. Zugegeben, das bevölkerte Treppenhaus macht Ruhe, Distanz und Betrachtung der zwei irgendwie versteckt wirkenden Groszwerke nicht eben ersprießlich. Aber den Beweis, das Grozs im GROSZ zu finden ist, haben wir dann doch angetreten. Na dann, noch einen Latte bitte, Herr Ober! Text©León W. Schönau


2/KULTURKRITIK/AUSLAND


Für: "Wochenblatt", deutschsprachige Zeitung der Kanarischen Inseln, Ausgabe 6.-19.11.2013

 

Deutsch-Kanarische Korrespondenz aus Berlin

XIII. Kanarische Kulturtage in Berlin 2013. Clavijo y Fajardo, Goethe, Freundschaft, zwischen Meer und Himmel, Timples, Lanzarote, Ritual de Paso, Folclorista ... Text und Fotos von León W. Schönau

 

So viel Fülle und Attraktion von den Kanaren gab´s lange nicht in Berlin zu erleben. Vom 24. bis 26. Oktober 2013 zogen drei kanarischen Kulturabende alle Exilcanarios und verfügbaren deutsche aficionados und amantes der Kanaren in Berlin geradezu magisch an. Lanzarote war dieses Jahr die gastgebende Insel. Erstmals wurde der Preis für die Förderung der deutsch-kanarischen Freundschaft verliehen. Der neu geschaffene "Premio José Clavijo y Fajardo", den die Deutsch-Kanarische Gesellschaf, zusammen mit der Fundación Canarias Clavijo y Fajardo (Lanzarote), verlieh, bringt zum Ausdruck, dass zwischen Deutschland und Spanien nicht nur gute kommerzielle oder touristische Beziehungen Bestehen , sondern auch politische und kulturelle. Insofern ist der erste Preisträger, Jerónimo Saavedra Acevedo (1936), eine Persönlichkeit, die sich Zeit seines Lebens vehement dafür einsetzte. Er kam schon rechtzeitig in Kontakt mit Deutschland (1977, Studium an der Universität Köln). Einige Etappen seiner beeindruckenden Kariere als Politiker: Erster Ministerpräsident der Kanaren (1983 -1987), später nochmals 1991 bis 1993. 1995 bis 1996 Minister für Bildung und Wissenschaft in Madrid, 2007 bis 2010 Bürgermeister von Las Palmas, GC – schließlich ab 2011 und noch heute Ombudsmann des Kanarischen Parlaments. Mit dem Preis wurden Saavedra´s langjährige Verdienste um die Förderung des Verständnisses, der Freundschaft uns des Dialogs zwischen den Kanarischen Inseln und Deutschland gewürdigt. Damian Peña Martín, Präsident der Deutsch-Kanarischen Gesellschaft Canarias en Berlín, brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: Was die Kanaren seit über 13 Jahren hier in Berlin und in Deutschland an kulturellem und sozialem Input leisten, wäre undenkbar ohne die Arbeit Saavedra´s. In insgesamt drei Laudatios würdigten die jeweiligen Redner das große Engagement des Preisträgers. Der ehemalige Europaabgordnete der Kanaren, Präsident der Gesellschaft „Canarias en Europa“, Isidoro Sanchez García (Teneriffa), skizzierte in seiner Ansprache die Entwicklung Clavijo y Fajardo´s (1726–1806) zum lanzaroteñischen Schriftsteller und Avantgardisten der Aufklärung. Er war nicht zuletzt auch ein Freund Voltaires. Clavijo wurde später Madrid bekannt durch die berühmte Aufklärungszeitschriften El Pensador (Der Denker) bzw. Mercurio Histoórico y Político de Madrid, die er herausgab. Er war eine Zeit lang Archivar des Königs wurde und sogar kurzzeitig zum Direktor des Königlichen Theaters berufen. Nicht zuletzt kommt beim historischen Abriss Goethe ins Spiel, der, nach Kontakt mit Beaumarchais in Madrid, das Lebensschicksal von Clavijo y Fajardo als Vorlage für sein Stück Clavigo wählte. Der Abgeordnete im kanarischen Parlament, David de la Hoz, und der lanzaroteñische Schriftsteller, Vertreter der Stiftung Clavijo y Fajarodo (Teguise, Lanzarote), Félix Hormiga, fügten weitere Argumente für die Preisverleihung hinzu, die sich besonders in den übereinstimmenden Hommages auf einen aufgeklärten, sich frühzeitiger als andere für Europa und die Verbindungen zu Deutschland engagierenden Politiker wie Saavedra bezogen.

 

Lanzarote umarmt uns!

Am 2. Abend waren die Kulturtage mit ihrem Lanzarote-Programm in der Spanischen Botschaft zu Gast. Dank der freundlichen Gastgeber und Kulturförderer der Botschaft, vertreten durch Botschaftsrat Rafael Chaves Beardo und der Leiterin der Kulturabteilung, Gloria Mínguez, wurde es eine rundherum gelungene Kostprobe von Musik, Kultur, Wein und Tapas der vulkanisch geprägten Insel (Zusammenarbeit mit dem Cabildo de Lanzarote). Es war auch ein wenig ein „Familienfest“, weil sich 2 Generationen der besten Timplespieler der Insel trafen: Alexis Lemes, Toñin Corujo und, last but not least, Antonio Corujo, Vater von Toñin, auf den Inseln allerdings bekannter als folclorista (etwa „Volkskünstler/Volkskundler“). Die beiden Timplisten Lemes und Corujo, einzigartig, in ihren Variationen von lyrisch bis temperamentvoll – absolute Meister dieses kleinen, typisch kanarischen, auf Lanzarote fünfsaitigen, Instruments Timple. Lemes ist kein purer Traditionalist. Er fusioniert z.B. lokale Folk-Akkorde mit Jazz. Toñin Corujo, in einer Vollblut-Timplisten-Familie aufgewachsen (Großvater Domingo, Vater Antonio), hat ziemlich früh sein bodenständiges lanzaroteñisches Musizieren mit den Musikeinflüssen der Welt, besonders der französischen (in Paris und im Konservatorium von Sant Moure) konfrontiert. Das zeigt sich auch heute z.B. in seinem neuen Werk Volcánic Malvasia. Vater Antonio C.: Einzigartig in seinen Sprüchen, Rezitation und seinem Humor. Volksweisheiten Lanzarotes pur: Heute noch genau so durchschlagend wie damals. Gewiss auch nur hundertprozentig von Canarios zu verstehen. Der deutsche Zuhörer, in Spanisch einigermaßen versiert, gab denn auch ermattet, aber lachend irgendwann auf ... Das kam von den „verdrehten“ Sprüchen des Don Antonio, als ranchero (Siedler, ggf. Bauerntölpel) oder peluquero (Frisör). Don Anonio´s neuestes Album heißt El Salinero, mit dem er an Victor Fernandez Gopar erinnert, dem großen Schöpfer von Couplets Lanzarotes im neunzehnten Jahrhundert.

 

 

„Kanaren – vom Meer bis in den Himmel“ und „Ritual des Übergangs“ – Isidoro Sánchez und Felix Hormiga stellten ihre Bücher vor

Ausklang und ebenfalls ein wunderbarer, authentisch kanarisch angereicherter letzter Abend des Kulturvergnügens: Lesungen, Musik, lanzaroteñischer Wein und Schmackhaftes aus der „Berliner Kanarenküche“. Isidoro Sánchez, über die Grenzen der Kanaren hinaus bekannter Sachbuchautor (Cuba desde mi ventana, Garoe, El Hierro-3D, EL Teide, Puerto de la Cruz, u.a.m.) führte uns seinen sein neues , reich bebildertes Kompendium der „Kanarenkunde“ vor, den neuen Prachtband Canarias  Desde el mar hasta el cielo ... vom Meer bis in den Himmel ( im Autorenteam mit Manuel Méndez Guerrero und Carlos Sánchez Reyes, Herausgeber: Fonteide und Promotur – auch in Deutsch vorliegend). Seine 288 Seiten werden auf alle Fälle dem Untertitel des Buches voll gerecht: „4 Nationalparks – ein einzigartiges vulkanisches Erlebnis“: Caldera de Taburiente (La Palma), Teide (Teneriffa), Timanfaya (Lanzarote) und Garajonay (La Gomera) – ausführliche, anschauliche und fundierte Darstellung. Das Buch ist auch zwei früheren kanarischen Naturforschern gewidmet, D. José Viera y Clavijo und D. Telesforo Bravo.

Félix Hormigua, Mulitalent, Autor, Regisseur und Schauspieler aus Lanzarote, auf den Kanaren bekannt z.B. durch El Rabo del Ciclón, Enigmas, 4 autores sobre Lanzarote –alle in Spanisch), nahm uns in seinem Kurzgeschichtenband El ritual de paso/ Ritual des Übergangs mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit der Insel (deutsch-spanisch, Ciclope Editores, Lanzarote, 2007). Mit dem ihm eigenen Humor und der treffsicheren Fomulierungsart schuf er keineswegs ein lediglich verklärendes Bild des harten bis tragischen Lebens seiner Inselvorfahren. Er wusste in vielen seiner Short-Stories vor allem das Skurrile des Lebens, durchaus Witzige der Situationen sprachlich eindrucksvoll zu zeichnen – mit einer Vorliebe für indirekten Pointen, die sich im erst Kopf des Lesers entwickeln. Äußerst vergnüglich! Mit diesem Versprechen, die lesenswerte moderne Literatur der Kanaren auch in Deutschland weiter bekannt zu machen, endeten die erfolgreichen 3 Kulturtage in Berlin.

Ein kleiner Hinweis für neugierige Literaturinteressierte am Schluss: Am 29.11.2013 wird uns in Berlin der Schriftsteller Sabas Martín die Freude machen, aus seinem auch in Deutschland erschienen Buch Nacaria (Konkursbuch-Verlag Claudia Gehrke) lesen (mit deutscher Übersetzung): Freitag, 29.11.2013, 19.00 Uhr, Rathaus Charlottenburg, Bürgersaal im 3. OG. Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin. Ich sag´s ja: Die Kanaren in Berlin ... ¡Bienvenidos!


3/ KULTURKRITIK/AUSLAND


Für: "Wochenblatt", deutschprachige Zeitung der kanarischen Inseln, Puerto de la Cruz/ Teneriffa, Ausgabe 19.12.2012

 

Deutsch-kanarische Korrespondenz aus Berlin

Ein kanarischer Kulturlichtblick. Text und Fotos von León W. Schönau

 

In Zeiten, wo die kanarische Kunst nach Brot geht und die kanarische Kultur, auch als Exportartikel, leider nicht mehr die erforderliche Budgetzuwendung erhält, sind die acficionados de Canarias in Berlin für jeden kleinen kulturellen Lichtblick erfreut. Und so gelang es kurz vor Jahresende, noch an zwei Tagen, am 1. und 2. Dezember 2013, die diesjährigen nunmehr 12. Kanarischen Kulturtage in Berlin zu veranstalten.

Dank starken Engagements der Kanarisch-Deutschen Gesellschaft und erfreulicher Unterstützung seitens der Spanischen Botschaft in Berlin, der kanarischen Regionalregierung und des angesagten Berliner Treffpunkts „Salon Dahlmann“, mit Timo Miettinen als Manager, sowie des europäischen Netzwerkes „Europäische Bewegung Deutschland“ kamen zwei überaus abwechslungsreiche Abende zustande. Deutsche Erstaufführung des kanarischen Dok-Films „Cautivas“. Die bekannte kanarische Regisseurin, Schauspielerin und TV-Moderatorin des kanarischen Fernsehens, Mercedes Ortega, brachte am 1. Abend ihren preisgekrönten Dokumentarfilm „Cautivas“ (Gefangene) mit nach Berlin. Für den Film erhielt sie auf dem kanarischen Filmfestval in Guía de Isora, MiradasDoc 2011 (Teneriffa) den Preis für den besten kanarischen Dokumentarfilm. Mit Recht, wie sich während des Films und beim anschließenden Gespräch mit dem Publikum erwies. Im Film befragt Mercedes Ortega sieben inhaftierte Frauen in einen mexikanischen Gefängnis nach ihren Lebensgeschichten und die Gründe ihrer Verurteilung. Beindruckend (und bedrückend zugleich) kommen dadurch sowohl Justizwillkür als auch eklatante Mängel in der Gewährung der Menschenrechte in Mexiko zum Vorschein. Man spürt dabei: Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gefängnismauern sind diese Frauen unter größten Entbehrungen, körperlichen und psychischen Torturen gewohnt, sich in einem Umfeld von Gewalt, Sexismus und Ungleichheit behaupten zu müssen. Aber das Frappierende kommt noch: Die Mehrheit der Frauen gesteht, dass es im wohl Gefängnis besser als außerhalb seiner stacheldrahtbewehrten Mauern sei ...Mercedes Ortega begreift ihren Film deshalb nur als Teil eines noch lange währenden Kampfes für die Rechte der Frauen, dem sich auch durch ihre Mitarbeit in der „Fundación pro Mujeres Cautivas“ widmet.

 

Zum ersten Mal in Berlin zu hören: Odette Machadas Konzertstück „Gotas de Agua“

 

Der zweite Abend dieses kanarischen Kulturwochenendes dann war der Musik gewidmet. In den klassisch modern gestalteten Räumen des Salons Dahlmann, zwischen zeitgenössischen großformatigen Kunstwerken, trafen sich an diesem Abend besonders viele Mitglieder und Freunde der Kanaren, die allesamt auch das ganze Haus, das sich „Home oft Art an Creative Business“ nennt, bewunderten.  Im Mittelpunkt aber standen die beiden, bereits seit ihrem Auftritt währende der Kanaren-Kulturtage 2008 bekannten Solisten Sandra González Medina (Klavier) und Pablo Henríquez Medina (Violoncello) aus Las Palmas de GC. Sie haben sich in ihren bisherigen Musikerkarrieren viel Können und Erfahrungen in Spanien und im Ausland erworben. Ehe es zur Premiere von „Gotas de Agua“ kam, zeigten sich die beiden Solisten in Bestform, sowohl einzeln als auch zusammen: Bei Bach´s Suite für Violoncello solo BWV 1011, bei Haydn´s Konzert für Viloncello in D-Dur, Op. 101, und besonders grandios im Zusammenspiel bei Tschaikowski´s Rokoko-Variationen Op. 33. Schließlich Odette Machados „Wassertropfen“ ... ein Stück, das seine kanarische Uraufführung bereits 2010 im Auditorio Alfredo Kraus erlebte. Machado zählt zu den vielversprechendsten jungen Komponistinnen, die aus dem Conservatorio Superior de Música de Canarias in Las Palmas de CG hervorgegangen sind. Nun, ihr Stück, ganz programmatische Musik, setzte visuelle Beobachtungen fallender, abrollender oder abperlender Wassertropfen mit sich visionär aufschwingenden Tönen, durchsichtigen Klangreihen und ebenfalls perlenden Läufen auf dem Klavier meisterhaft um. Der Beifall des Publikums zeigte, was ein kammermusikalischer Abend mit konzentriert und virtuos spielenden Musikern für Resonanz haben kann. Es bleibt zu hoffen, das sich die „kulturellen Dinge“ im nächsten Jahr, trotz und alledem, stärker zum imageträchtigen Export der Inseln entwickeln können und, u.a., auch zu den dann hoffentlich im Frühjahr 2013 stattfindenden XIII. Kulturtagen in Berlin glänzen ... Die Fotoserie zum Beitrag unter www.canariasshop.de


4/ --- WEITERE TEXTE KULTUR



... WIRD FORTGESETZT ...